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Regionale Produkte für die Stadt – Entwicklung logistischer Prozesse für regionale Lebensmittel-Wertschöpfungsketten

Bionales e.V. – Bürger für regionale Ernährung und Landwirtschaft steht nicht nur dafür, Bürger und Produzenten regionaler Lebensmittel in Kontakt zu bringen – der Verein möchte auch ganz konkret Strukturen schaffen, um regional produzierte Lebensmittel in die Metropolregion Rhein-Main, insbesondere nach Frankfurt, zu bringen. 

Dafür haben wir 2019 gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Zentrum der Hochschule Fulda am HOLM Daten über die in der Region vorhandene (klein-)bäuerliche Landwirtschaft gesammelt, um zu wissen, wer im und um das Rhein-Main Gebiet welche Lebensmittel produziert. Im nächsten Schritt haben wir folgendes Strategiepapier entwickelt, welches die Basis für einen größeren Projektantrag stellt. 

Vision: Menschen in Metropolregionen die Möglichkeit geben, (beinahe) jederzeit regionale biologisch-produzierte Lebensmittel einkaufen zu können.

Hintergrund: Regionale Lebensmittel stärken nicht nur die regionale Wirtschaft, vor allem in ländlichen Gebieten, sondern erzeugen oftmals auch einen geringeren ökologischen Fußabdruck als über weite Strecken transportierte Lebensmittel. Derzeit können regionale Lebensmittel insbesondere auf Wochenmärkten, über die Teilnahme an Solidarischer Landwirtschaft (Solawis) oder regionale Gemüsekisten bezogen werden. Diese Bezugsquellen sind jedoch nicht täglich zugänglich, oft mit mehr Aufwand verbunden oder langfristig verpflichtend, was gegen spontanes Einkaufen spricht. Vereinzelt verkauft auch der Einzelhandel (kleine Bioläden oder Supermärkte) regionale Produkte; das Angebot gerade von der (klein-)bäuerlichen Landwirtschaft ist jedoch sehr begrenzt. Viele Kund*innen wünschen sich aber, jederzeit Zugang zu regional und (klein-) bäuerlich produzierten (Bio-) Lebensmitteln zu haben.

Mission: Durch den Aufbau regionaler B2B- und B2C-Wertschöpfungsketten, insbesondere mit der (klein-) bäuerlichen Landwirtschaft von biologischen Erzeugnissen, möchten wir Kund*innen ermöglichen, leichter regional produzierte Bioerzeugnisse einzukaufen. Den (klein-) bäuerlichen Landwirt*innen möchten wir so ermöglichen, einfacher und direkt ihre Waren verkaufen zu können. 

Strategiemaßnahmen:

Vision und Mission wollen wir folgendermaßen erreichen: 

B2B (Business-to-Business)

  • Aufbau von B2B-Wertschöpfungsketten mit kleinen Einzelhandelsgeschäften (Obst- und Gemüseläden, Reformhäusern, Unverpacktläden etc.), Gemeinschaftsküchen, etc.
  • Einrichtung einer Website auf der (klein-) bäuerliche Landwirt*innen ihre Produkte anbieten können und so direkt mit dem Einzelhandel, Gemeinschaftsküchen, Endverbraucher*innen (siehe B2C Ansatz) etc. in Kontakt treten können.
  • Für über die Website erfasste Aufträge werden durch logistische Optimierungsberechnungen sinnvolle Transportaufträge erzeugt – und zwar sowohl von (klein-) bäuerlichen Landwirt*innen zu determinierten Hubs oder Depots in der Stadt als auch innerhalb der Stadt auf der sogenannten letzten Meile.
  • Transparente Darstellung von Kostenbestandteilen sowie Emissionen. Für die angebotenen Produkte ermitteln wir „reale Preise“ (inkl. Internalisierung der Umweltkosten), Kostenbausteine und Emissionen regional erzeugter Bio-Produkte und vergleichen sie mit nicht regional erzeugten Lebensmitteln (sowohl bio als auch konventionell) und stellen diese den Partner*innen der Wertschöpfungsketten sowie den Endkund*innen zur Verfügung. Auf Basis dieser Transparenz wird mehr Bewusstsein für die Notwendigkeit regionaler Einkäufe sowie für die Zusammensetzung der Preise für Lebensmittel geschaffen.

B2C (Business-to-Consumer)

Um gleichzeitig einfacher und damit mehr Kontakt von Endverbraucher*innen zur (klein-)bäuerlichen Landwirtschaft herzustellen und damit das Bewusstsein für umweltbewusstes Einkaufen sowie die Arbeit von (klein-) bäuerlichen Landwirt*innen zu verbessern, wollen wir folgende Maßnahmen umsetzen bzw. ihre Umsetzung prüfen:

  • Aufbau von sog. „Food Assemblies“ – Kund*innen können über eine Website direkt bei den Erzeugern bestellen und bekommen die Produkte an einem bestimmten Tag an einen bestimmten Ort geliefert. In unserem Modell werden zusätzlich Transporte gebündelt, um Kosten sowie Emissionen möglichst gering zu halten und damit zu einer ökonomischen, aber auch ökologischen Nachhaltigkeit beizutragen. Nach Möglichkeiten werden Transporte für B2B und B2C zusammengefasst, um die Anzahl der Fahrten in den städtischen Raum klein zu halten. Es soll zusätzlich geprüft werden, ob Leerfahrten zurück in die ländlichen Gebiete vermieden werden können.
  • Aufbau von Abholorten (sog. Depots) in der Stadt, damit Lebensmittelkisten regelmäßig, aber logistisch sinnvoll verteilt werden können.
  • Aufbau (fast) durchgehend verfügbarer Abholorte für Lebensmittelbestellungen.
  • Transparente Darstellung von Preisen und Emissionen (siehe B2B Ansatz).

Die einzelnen Maßnahmen sollen während einer zwei-bis dreijährigen Projektphase anhand von Pilotprozessen und -anwendungen geprüft und evaluiert werden. 

Projektpartner derzeit (operational): BIONALES e.V., Hochschule Fulda

Projektpartner (strategisch): Ökomodellregionen Hessen

Für die Projektphase werden unterschiedliche Einzelhändler und Produzenten biologischer Erzeugnisse gesucht. Erste Gespräche wurden geführt, erste (noch informelle) Zusagen bereits gemacht. 

Wer mehr erfahren möchte, Projektpartner werden möchte oder ein spannendes Thema für seine Masterarbeit sucht, kann sich gerne bei uns melden: 

annamara.schoen@bionales.de oder
anna-mara.schoen@w.hs-fulda.de